"Verrotzt, verheult, verquollen"?
Bei Pulsatilla haben viele Homöopath*innen ein fertiges Bild im Kopf: eine plethorisch füllige Frau, oft blond und blauäugig, die in der Küche steht, kocht und backt, sich um alles kümmert und dafür sorgt, dass alle sich wohlfühlen. Bisweilen erscheint sie etwas anstrengend oder gar nervig: schnell heulend, wenn etwas nicht klappt oder wenn sie sich allein gelassen oder gar gekränkt fühlt. Sie gilt als einfach, etwas naiv und nicht sehr intellektuell.
Dass wir diesen großen homöopathischen Arzneityp mit solchen Zuschreibungen maßlos unterschätzen und verkennen zeigen Sara Riedel und Martina Große an diesem homöopathischen Sonntag und durchleuchten verschiedene Klischees...
Mit der Frage, ob Liebesfähigkeit überhaupt eine individuelle Gabe (Ressource) oder eine allgemeinmenschliche Selbstverständlichkeit ist, leitet Martina Große in die Thematik ein. Nicht umsonst gilt Pulsatilla als Archetyp des Mütterlichen - mit einem großen Herzen, in das sie jeden einschließt, mit einem großen Potenzial zur Offenheit und Ehrlichkeit ihrer Gefühle.
Problematisch wird es, wenn Pulsatilla Wünsche, Gedanken und Gefühle nicht frei kommunizieren kann, weil sie sich nicht wertgeschätzt oder geliebt fühlt. Sie benötigen Lob und Anerkennung und vertragen wenig Tadel - sonst werden sie sehr unsicher. Daher sind sie von Anderen oft zu abhängig, was zu schwer aushaltbaren Konflikten und/oder Kränkungen (Krankwerden) führen kann.
Ein besonderer Knackpunkt dabei ist: Pulsatilla idealisiert geliebte Menschen. Sie nimmt nur deren liebenswerten Kern wahr und übersieht dabei, dass ein Mensch noch mehr ist als das. Damit sind Enttäuschungen und Gefühle von Einsamkeit und Verlassenheit vorprogrammiert - und die Wahnidee, "sei allein auf der Welt". Im Heilungsprozess geht es auch darum zu lernen, genauer hinzuschauen und die idealisierende Wunschbrille gegen einen realistischeren Blick einzutauschen.
Themen
- Signatur (Aussehen, Standort, mit dem Wind gehen, wieder aufstehen)
- Mythologie zur Pflanze
- Mehrere Übungen: Drei besondere Eigenschaften / Ich hab mich lieb / Versöhnung mit dem Kind
- Selbstwertmangel und die Suche nach Bestätigung von außen
- Entscheidungsschwierigkeiten: Angst vor Fehlern, will nicht schuldig werden
- Wie bekommt Pulsatilla Macht über das eigene Leben?
- Was tut mir gut im Kontakt mit anderen / in einer Beziehung?
- Ätiologien: Wendepunkte im Leben, Wechsel, sich zeigen und verletzt werden
- Unerfüllter Kinderwunsch
- Körperliche Symptome: Urogenitaltrakt, wechselnde Seiten, Schwangerschaft, Rücken, Arthrose
- Differenzialdiagnose Sulfur
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