Gesunde Verletzlichkeit (Vulnerabilität) ist die Bereitschaft und souveräne Fähigkeit, sich trotz der natürlichen Angst vor Ablehnung und Verletzung emotional offen und ohne zu hohe Schutzmauern zu zeigen, Unsicherheiten zuzugeben und Risiken einzugehen. Sie ermöglicht eine tiefere Verbundenheit mit anderen, Authentizität und Wachstum, erfordert jedoch Mut und Vertrauen. Verletzlichkeit ist das Gegenteil von Schwäche und eine Tür zu mehr Menschlichkeit, Liebe und Lebensfreude.
Übermäßige Verletzbarkeit, die schon durch kleine Auslöser zur Kränkung oder gar Verletzung führt, kann hingegen ein erhebliches psychisches Problem sein, ein Hindernis für die eigene Kontakt- und Bindungsfähigkeit. Die meist unbewusste, jedoch permanente Angst vor Verletzung führt zu einem Vermeidungsverhalten, das meint, sich ständig schützen zu müssen.
An diesem Homöopathischen Sonntag widmen sich Jens Brambach und Juliane Laufer allen wichtigen Aspekten der Verletzlichkeit. Dazu differenzieren sie drei ausgewählte homöopathische Arzneien, die gegenüber Verletzungen besonders empfindlich sind und heftig reagieren: Colocynthis (Koloquinte), Hepar sulfuris (Kalkschwefelleber) und Natrium muriaticum.
Gesundheit kann als Fähigkeit verstanden werden, auf alle möglichen - auch unfreundlichen - Reize der Außenwelt flexibel und angemessen zu reagieren, ohne davon zu sehr oder zu lange (Natrium mur.) eingenommen zu sein. Stattdessen kommt es jedoch oft zu hilfloser Entrüstung (Staphisagria, Colocynthis), langanhaltender Besessenheit vom Kränkenden / Verletzenden (Natrium mur.) oder auch zur tauben Abstumpfung, um möglichst gar nichts mehr zu spüren (Opium).
 
Hörprobe 2: Colocynthis (Juliane Laufer)
Hörprobe 3: Hepar sulfuris (Jens Brambach)
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- Artikel-Nr.: SO-330
- Abspieldauer (ca.): 2 Std. 13 Min.
- Edition: SO (Homöopathischer Sonntag Berlin)
- Schlüsselworte: Agoraphobie Ärger Berührung Berührungsempfindlichkeit Causticum Colocynthis Depression Empfindlichkeit Entrüstung Flexibilität Frustrationstoleranz Gewalttätigkeit Hepar sulf. Ischialgie Ketamin Kränkung Mobbing Natrium mur. Neuralgie Reizbarkeit Staphisagria Suizidgedanken Testosteron Trauma Unverträglichkeit Verbitterung Verdruss Verletzlichkeit Verletzungen Verliebtheit Vermeidungsverhalten Wunde Zorn
Gesunde Verletzlichkeit (Vulnerabilität) ist die Bereitschaft und souveräne Fähigkeit, sich trotz der natürlichen Angst vor Ablehnung und Verletzung emotional offen und ohne zu hohe Schutzmauern zu zeigen, Unsicherheiten zuzugeben und Risiken einzugehen. Sie ermöglicht eine tiefere Verbundenheit mit anderen, Authentizität und Wachstum, erfordert jedoch Mut und Vertrauen. Verletzlichkeit ist das Gegenteil von Schwäche und eine Tür zu mehr Menschlichkeit, Liebe und Lebensfreude.
Übermäßige Verletzbarkeit, die schon durch kleine Auslöser zur Kränkung oder gar Verletzung führt, kann hingegen ein erhebliches psychisches Problem sein, ein Hindernis für die eigene Kontakt- und Bindungsfähigkeit. Die meist unbewusste, jedoch permanente Angst vor Verletzung führt zu einem Vermeidungsverhalten, das meint, sich ständig schützen zu müssen.
An diesem Homöopathischen Sonntag widmen sich Jens Brambach und Juliane Laufer allen wichtigen Aspekten der Verletzlichkeit. Dazu differenzieren sie drei ausgewählte homöopathische Arzneien, die gegenüber Verletzungen besonders empfindlich sind und heftig reagieren: Colocynthis (Koloquinte), Hepar sulfuris (Kalkschwefelleber) und Natrium muriaticum.
Gesundheit kann als Fähigkeit verstanden werden, auf alle möglichen - auch unfreundlichen - Reize der Außenwelt flexibel und angemessen zu reagieren, ohne davon zu sehr oder zu lange (Natrium mur.) eingenommen zu sein. Stattdessen kommt es jedoch oft zu hilfloser Entrüstung (Staphisagria, Colocynthis), langanhaltender Besessenheit vom Kränkenden / Verletzenden (Natrium mur.) oder auch zur tauben Abstumpfung, um möglichst gar nichts mehr zu spüren (Opium).
Zunächst führt Jens Brambach ins Thema ein. Ursachen übermäßiger Verletzlichkeit sind alte Wunden und/oder eine allgemein hohe Sensibilität, mit dem Gefühl innerer Schwäche bzw. Hilflosigkeit, die in einer Neigung zur Starrheit und einem Mangel an Flexibilität resultiert. Die Problematik der Verletzlichkeit zeigt sich besonders in Übergangsphasen wie der Pubertät. Dazu gehört auch die Frustrationstoleranz, nicht alles bekommen zu können, was man möchte. Wenn die Verletzlichkeit zu groß wird und nur durch Vermeidung kompensiert werden kann, entsteht leicht Depression.
Im zweiten Teil behandelt Juliane Laufer eine homöopathische Arznei, die bislang fast nur als Akutmittel bekannt war: Colocynthis, die Früchte der Koloquinte (Bitterkürbis, Teufelsapfel), einem Kürbisgewächs (DD Bryonia). Colocynthis ähnelt Staphisagria, mit Folgen von Demütigung / Kränkung, Entrüstung und psychosomatischen Beschwerden (Bauchschmerzen).
Welche weiteren Eigenschaften zeichnen die Koloquinte aus? Colocynthis ist überempfindlich und reizbar gegenüber jeder kleinen Störung (insbesondere Lärm und Belästigung), missmutig, mitunter gewalttätig, mit schneidenden und stechenden Schmerzen (DD Apis) und dem Verlangen, sich zusammenzukrümmen, insbesondere bei Koliken und anderen Bauchschmerzen (Menstruation), die durch Verdruss, Ärger, Zorn, Enttäuschung oder Kummer ausgelöst werden, wobei Emotionen nicht direkt gespürt, sondern unterdrückt und angestaut werden.
Als Fallbeispiel berichtet die Referentin von einem Onkel, der nach einer Verärgerung einen heftigen Ischiasschmerz bekam: Colocynthis half ihm, den Ärger und damit auch die Ischialgie zu bewältigen. Interessant ist hier auch Rajan Sankarans Verständnis, verdeutlicht an einem seiner Fälle. Colocynthis trägt ein unsichtbares "Bitte nicht stören"-Schild vor sich her.
Im dritten Teil widmet sich Jens Brambach dem vielleicht überempfindlichsten Mittel der Materia medica: Hepar sulfuris - eine Arznei mit heftigsten destruktiven, "garstigen" Reaktionen, "fiesen, dreckigen" Prozessen wie Eiterungen oder Abszessen. Brambach schildert den Fall eines Patienten mit extremer Empfindlichkeit gegen Luftzug und Schmerz. Der Therapeut hatte bei den Konsultationen stets Sorge, ob er an alles zu Vermeidende gedacht hatte...
Welche weiteren Symptome, Ängste (Agoraphobie, Feuer, Zahnschmerz), Reaktionen (zornige Reizbarkeit, gewalttätige Phantasien) und körperlichen Beschwerden (schlechte Wundheilung) sind für Hepar sulf. charakteristisch? Typisch sind Grausamkeit, Unmenschlichkeit, Abruptheit, Hastigkeit und das Verlangen, jemanden wegen einer geringen Beleidigung zu töten.
Schließlich wirft der Dozent noch einen Blick auf das altbekannte Natrium muriaticum - die "Verletzlichkeit par excellence"! Bei Natrium wirken alte Wunden und Verletzungen ewig nach - vor allem seelische Traumata wie der Verlust eines geliebten Menschen oder eine andere furchtbare Trennung. Natrium mur. ist von negativen Glaubenssätzen hinsichtlich der Zukunft besetzt, von selbsterfüllenden Prophezeiungen ("Ich weiß ja sowieso, dass das Glück, das Du mir versprichst, nicht hält.") und einem Selbstschutzverhalten, mit dem er sein ursprüngliches Interesse torpediert. In zwei Exkursen werden zudem noch Testosteron (G. v. Unverletzlichkeit) und die Droge Ketamin (Unverwundbarkeitsgefühl, Schmerzlosigkeit) angesprochen. Am Ende seiner Abhandlung resümiert Brambach den positiven Aspekt der Verletzlichkeit: "Verletzlichkeit ist die Hebamme unserer Liebe."
Gesamtlänge 1:24:11 (84:11)
1. Sei vorsichtig mit mir... Meine Wunde will Respekt / Was ist Gesundheit? / Fünf Grundfaktoren der Verletzlichkeit / Beispiel einer Situation von Entrüstung (00:00)
2. Kompensierte Verletzlichkeit "Probleme anderer Leute" / Was stärkt unsere Verletzlichkeit? / Physiologie einer Wunde / Mobbing-Erfahrung (08:05)
3. Ursachen und Aspekte von Verletzlichkeit: Wunde, Schwäche, Starre / Flexibilität (13:29)
4. Verdrängte Bedürftigkeit und Verletzlichkeit / Lernen und Frustrationstoleranz (17:53)
5. Was folgt aus Verletzlichkeit? Vermeidungsverhalten / Große Verletzlichkeit und Depression (23:38)
6. Juliane Laufer: Colocynthis / Ähnlichkeit zu Staphisagria / Die Früchte der Koloquinte / Namen, Botanik und Eigenschaften / Merkmale des Patienten: Halt durch Arbeit / Angst vor Mangel / Empfindlichkeit gegen Störung / Reizbarbarkeit, Gewalttätigkeit,
Missmut / Weitere Pflanzen der Familie der Kürbisgewächse (27:55)
7. Die Koloquinte in der Wachstumsphase / Toxische Bitterstoffe von Colocynthis (36:31)
8. Colocynthis als Heilmittel / Bittere Menschen: Verdruss / Unterdrückte und angestaute Emotionen / Unterdrückung von Ärger und Zorn (45:38)
9. Was bedeutet Verdruss? / Kummer / Leberbezug: Sprichwörter / Fallbeispiel: Ischialgie nach Hausputz mit Verärgerung (52:33)
10. Sankaran über Colocynthis / Verlangen nach Ruhe, fühlt sich gestört / Passive Reaktion nach Sankaran / Neuralgien, Trigeminusneuralgie, Ischialgie (64:56)
11. Fallbeispiel von Sankaran: Junge (2 J.) mit rezidivierenden Erkältungen, Wutanfällen und griesgrämiger Laune / Fall: Schwangerschaftsbeschwerden der Mutter / Fall: Ausgewählte Rubriken (71:01)
12. Abneigung gegen Berührung während Schwangerschaft / Genuss und Verdruss / Asterix und der Schild der Averna / Genuss vs. Verdruss / DD Causticum, Staphisagria (77:14)
Teil 2
Gesamtlänge: 49:02
1. Hepar sulfuris / hoch empfindlich, hoch reaktiv / Eiterungen, Drüsenschwellungen, Abszesse / Fiesheit, Hastigkeit, Unrast, Unruhe (00:00)
2. Fall eines Patienten, dem der Sessel zu weich war / Unverträglichkeit von Luftzug / Sorge des Therapeuten, an alles gedacht zu haben / Ständige Anspannung / Geschichte eines psychotischen Beifahrers (03:54)
3. Extreme Empfindlichkeit / Kälte, Zugluft / wie freiliegende Nervenenden / Empfindlich gegen Schmerz und Reize von außen / Agoraphobie / Ängste bzgl. Feuer, Pyromanie / Reaktionen: Zornige Reizbarkeit, Gewaltausübung / Suizidgedanken (14:53)
4. Hepar sulf. Allgemeines: Verlangen nach stark gewürzten und sauren Speisen (21:31)
5. Natrium muriaticum: Verletzlichkeit par excellence / Exkurs Testosteron: G. v. Unverletzlichkeit bei jungen Männern / Partyerfahrung mit Ketamin: Unverwundbarkeitsgefühl (24:54)
6. Natrium: Seelische Verletzung / alte Wunde, Verlust eines geliebten Menschen / Selffulfilling prophecy / Verletzlichkeit als Schutz (30:48)
7. Drogenerfahrungen / Ketamin / Initiatische Drogenerfahrungen (39:03)
8. Die positive Seite in der Verletzlichkeit / Hebamme unserer Liebe / Verliebtheit vs. Liebe / Blick aus dem Weltall: Der kleine verletzliche blaue Planet (41:29)
Jens Brambach

Aus der eigenen Vita:
Ich bin seit über 15 Jahren Heilpraktiker in Berlin. In meiner Praxis in Kreuzberg arbeite ich schwerpunktmäßig mit Homöopathie, Psychotherapie und Familienaufstellungen Außerdem bin ich seit mehreren Jahren Dozent für Homöopathie und Aufstellungsarbeit u.a. an der Samuel-Hahnemann-Schule Berlin und in der Wochenendausbildung "Der Homöopathische Weg".
Schon seit meiner Jugend treibt mich die Frage an, wie wir Menschen funktionieren. Wie kommen wir in unsere Kraft, wie stehen wir uns selbst im Weg, wie nehmen wir wahr, haben wir eine über uns hinausweisende Aufgabe oder Funktion in dieser Welt und wenn ja welcher Art ist diese. Ganz besonders interessiert mich dabei wie wir Freiheit erlangen können und was wir mit der Freiheit anfangen.
Auf meinem persönlichen Lebensweg sind mir zahlreiche Verwundungen begegnet, seelische wie körperliche. In meiner Entwicklung und meiner Arbeit habe ich erlebt, dass diese Wunden heilen können, wenn man sich auf den Weg zu ihren Wurzeln macht. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass jede Krankheit und jede Verletzung bei allem Leid auch einen Schatz birgt, eine Information, einen Wegweiser um zu den Wassern des Lebens zu finden, über uns hinaus zu wachsen und mit dieser unglaublichen Welt in Kontakt zu treten.

Jens Brambach im Vortrag "Nietzsche und die Syphilis" (Bestnr. HT-576)
(Foto: Martin Bomhardt)
Juliane Laufer
Laufer, Juliane2 Dateien/Teile als MP3-Download.
Schmuck-/Coverbild
Hersteller
Verlag Homöopathie + Symbol, Martin Bomhardt, Liebigstr. 36, 10247 Berlin, E-Mail: info@homsym.de
Produktabbildung
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Dieser Titel (Inhalt des Produkts) enthält fachkundliche Informationen für/über Heilberufe und heilkundliche Anwendungen, jedoch keine Werbung für bestimmte Heilmittel/-behandlungen. Er gibt ausschließlich die persönliche Meinung und subjektive Erfahrung des/der jeweiligen Autor*in*nen wieder. Keinesfalls können bestimmte Inhalte, insbesondere im Medium wiedergegebene Hinweise zu medizinischen Anwendungen (z. B. zur Einnahme bestimmer Arzneien) als konkreter Ratgeber oder gar Anleitung zur (Selbst-)Behandlung verstanden werden, insbesondere nicht von medizinischen Laien. Im Falle eines Behandlungsbedarfs halten Sie bitte Rücksprache mit professionellen Therapeut*innen, inbesondere Ihrem Hausarzt/Ärztin, um mögliche gesundheitliche Folgen und Schäden einer unprofessionellen Eigenanwendung zu vermeiden.
330. Homöopathischer Sonntag der Samuel-Hahnemann-Schule Berlin, 22. September 2024 (Online-Stream via Zoom)
Zur Veranstaltung "Der Homöopathische Sonntag"
Die "Homöopathischen Sonntage" sind eine seit 1994 regelmäßig monatlich an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin stattfindende Veranstaltung, in denen ein halber Tag (fünf Stunden) einem einzigen Arzneimittel, einem theoretischen oder praktischen Thema umfassend gewidmet ist. Sie gehören zu den kontinuierlichsten und zugleich fortschrittlichsten homöopathischen Vorlesungen, da das jeweilige Thema aus der aktuellen Sicht und Erkenntnis der homöopathischen Empirie und Forschung vermittelt wird.
