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Cornelia Titzmann
Enzian & Artischocke - Einmal bitter reicht nicht? Heilpflanzenporträt
In der dritten Jahresreihe ihrer Heilpflanzenporträts stellt die erfahrene Berliner Phytotherapieexpertin Cornelia Titzmann jeweils zwei Heilpflanzen einander gegenüber, die eine ähnliche, einander ergänzende Wirkcharakteristik aufweisen und daher nicht nur einzeln, sondern in bestimmten Fällen auch kombiniert verabreicht werden können. So geht es im vorliegenden Beitrag um die beiden Bitterdrogen Enzian (Gentiana lutea) und Artischocke (Cynara amara), die vornehmlich wegen ihres hohen Bitterstoffgehalts verschrieben werden.
Cornelia Titzmann geht daher zunächst auf den arzneilichen Nutzen von Bitterstoffen im Allgemeinen ein. Unser Organismus verfügt über ein natürliches Abwehrsystem gegen Schadstoffe und reagiert deshalb auf viele Substanzen schon rein geschmacklich abweisend. Bitterstoffe sind zwar nicht per se schädlich, jedoch in größeren Mengen unverträglich. Warum sind sie dennoch in vielen traditionellen Medikamenten und Genussmitteln (Kaffee, Tee, Bier, zahlreiche bekannte Bitter-Schnäpse und Liköre) enthalten? Bittere Getränke werden sowohl als Aperitiv als auch Digestiv geschätzt, also zur Verdauungsanregung vor oder nach dem Essen, insbesondere bei schweren, fettreichen Festessen.
Unter unseren Geruchs- und Geschmackssinnen ragt die Qualität "bitter" als besonders eigentümlich heraus. Sie ist den meisten Menschen zunächst eher unwillkommen - zumindest ambivalent. Doch wissen wir schon seit der Antike, dass gerade die "bittere Medizin" oft die beste ist. Dem Bitteren kommt eine eigene Heilwirkung zur, nicht nur bei der bekannten Verdauungsförderung. Daher ist es nach Ansicht der Dozentin auch nicht kaum sinnvoll, Bitterstoffe in Kapseln zu verabreichen, denn eine Voraussetzung für ihre Wirkung ist, das Bittere zu schmecken (und darauf zu reagieren).
Cornelia Titzmann stellt dann ausführlich die beiden Pflanzen Enzian und Artischocke vor und geht in einem Beispiel auf ihre Kombinationsmöglichkeit ein.
Dieser therapeutisch vielfältige und runde Abend macht uns das Bittere schmackhafter!
Mit dem Monographie-Handout als (PDF)
 
Hörprobe 2: Enzian Anwendung
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- Artikel-Nr.: PF-334
- Abspieldauer (ca.): 1 Std. 45 Min.
- Edition: PF (Pflanzenheilkunde)
- Schlüsselworte: Appetitlosigkeit Arteriosklerose Asteraceae Bitterstoff Cholesterin Cholesterinsenkung Cynara scolymus Darmsanierung Diabetes Entfieberung Fettstoffwechsel Flatulenz Gallen Gärungsdyspepsie Gentiana lutea Gicht Leberschutz Magen Nerven Reisebeschwerden Rheuma Roburans Verdauung Zellstoffwechsel Zuckerstoffwechsel
In der dritten Jahresreihe ihrer Heilpflanzenporträts stellt die erfahrene Berliner Phytotherapieexpertin Cornelia Titzmann jeweils zwei Heilpflanzen einander gegenüber, die eine ähnliche, einander ergänzende Wirkcharakteristik aufweisen und daher nicht nur einzeln, sondern in bestimmten Fällen auch kombiniert verabreicht werden können. So geht es im vorliegenden Beitrag um die beiden Bitterdrogen Enzian (Gentiana lutea) und Artischocke (Cynara amara), die vornehmlich wegen ihres hohen Bitterstoffgehalts verschrieben werden.
Cornelia Titzmann geht daher zunächst auf den arzneilichen Nutzen von Bitterstoffen im Allgemeinen ein. Unser Organismus verfügt über ein natürliches Abwehrsystem gegen Schadstoffe und reagiert deshalb auf viele Substanzen schon rein geschmacklich abweisend. Bitterstoffe sind zwar nicht per se schädlich, jedoch in größeren Mengen unverträglich. Warum sind sie dennoch in vielen traditionellen Medikamenten und Genussmitteln (Kaffee, Tee, Bier, zahlreiche bekannte Bitter-Schnäpse und Liköre) enthalten? Bittere Getränke werden sowohl als Aperitiv als auch Digestiv geschätzt, also zur Verdauungsanregung vor oder nach dem Essen, insbesondere bei schweren, fettreichen Festessen.
Unter unseren Geruchs- und Geschmackssinnen ragt die Qualität "bitter" als besonders eigentümlich heraus. Sie ist den meisten Menschen zunächst eher unwillkommen - zumindest ambivalent. Doch wissen wir schon seit der Antike, dass gerade die "bittere Medizin" oft die beste ist. Dem Bitteren kommt eine eigene Heilwirkung zur, nicht nur bei der bekannten Verdauungsförderung. Daher ist es nach Ansicht der Dozentin auch nicht kaum sinnvoll, Bitterstoffe in Kapseln zu verabreichen, denn eine Voraussetzung für ihre Wirkung ist, das Bittere zu schmecken (und darauf zu reagieren).
Bitteres regt den Speichelfluss an, die Magen- und Verdauungsdrüsen (Steigerung sowohl der Säure als auch der schützenden Belegzellen, exokriner Pankreas, Galle). Wissenschaftliche Studien belegen sogar, dass Bitterstoffe das Immunsystem stimulieren (Lymphozyten und Makrophagen). Sie wirken ein wenig wie der "Holzhammer": Man spürt sie immer, auch wenn eine gewisse Gewöhnung möglich ist, mit der Zeit sogar ein gewisses Verlangen danach (z. B. Kaffee ohne Zucker). Wie wird der Bitterwert einer Substanz eigentlich bestimmt? Entscheidend ist dabei die subjektive Verkostung, nicht die Chemie. Wie unterscheiden wir den Bittergehalt phytotherapeutisch? Die Dozentin stellt die beiden bewährten Einteilungen der sog. "Amara" vor.
Der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) deutet bereits farblich auf das Bittere (gelbe Galle). Als Mitglied der Familie Gentianaceae (Enziangewächse) gehört er zu den bittersten Heilpflanzen überhaupt. Seine botanische Ordnung Gentianales (Enzianartige) umfasst weitere Bitterdrogen (z. B. Ignatia amara). Botanisch imponiert die Pflanze mit ihrer phytotherapeutisch genutzten, tief reichenden Wurzel, die enorm dick und schwer werden kann - bis zu 6 kg! Der Enzian erlangt ein hohes Alter (bis 60 Jahre) und beginnt erst nach 10 Jahren mit der Blüte. Da er unter Naturschutz steht, darf er nicht wild gesammelt werden, lässt sich jedoch gut anbauen.
Welche sind, neben dem primären Bitterstoff Gentiopikrin, seine Inhaltsstoffe und wie wirken sie? Im Mittelpunkt der Heilpflanzenporträt von Cornelia Titzmanns steht immer die therapeutische Wirkung und ihre praktische Anwendung: Bekannt ist die Wirkung des Enzians auf die Verdauung (Appetitlosigkeit, Gärungsdyspepsie, Flatulenz, Reisebeschwerden). Darüber hinaus ist er auch ein hervorragendes "Roburans" - ein Stärkungsmittel bei allgemeiner Schwäche und Erschöpfung, besonders in Rekonvaleszenzphasen. Auch bei Gicht, Nervenleiden und Menstruationsbeschwerden hat er sich bewährt. "Enzian macht den Bauch warm und kräftigt Alles." Weitere Fragen betreffen die Darreichung und Dosierung (auch zur Vermeidung von Überdosierung, die zu Übelkeit und Erbrechen führen kann). Bei akuter Gastritis oder auch Colitis ist Gentiana kontraindiziert.
Der zweite Teil des Abends widmet sich der Bitterpflanze Artischocke (Cynara scolymus), die traditionell in den Mittelmeerländern sowie Persien und Nordafrika wächst, wo sie auch als essbare Kulturpflanze (Vorspeisen, Diäthetik) beliebt ist. Doch schon seit langem wird sie auch in unseren Breiten angebaut (Klostermedizin). Die Artischocke ist Mitglied der Korbblütler (Asteraceae) und zählt wegen ihrer abweisenden Stacheln zu den Distelartigen, woraus auch ihr Name abgeleitet ist (arabisch: "Die Dornige"). Der griechischen Mythologie nach erwuchs sie aus einer unglücklichen Liebesgeschichte zwischen Zeus und der Nymphe Cynara, die ihn als Liebhaber ablehnte, woraufhin er sie in die "bittere Dornige" verwandelte (Ankinara = "Ich will nicht!").
Phytotherapeutisch werden die Blätter (Foliae Cynarae) verwendet, mit ihrem Hauptinhaltsstoff Cynarin (Bitterwert 5000-15000). Erneut finden wir gelbe Anteile (Flavonide). Die Artischocke wirkt - wie schon der Enzian - zum einen auf die Verdauung (Appetit, Gallenproduktion), zum anderen kommt ihr eine ganz besondere phytotherapeutische Bedeutung zu: eine pflanzliche Cholesterinsenkung - laut Studien bis zu 12%! Hier berichtet Cornelia Titzmann vom eigenen Fallbeispiel einer Patientin mit Herzinfarkt mit hohem Cholesterinspiegel, bei der sich Cynara als sehr hilfreich erwies. So verwendet die erfahrene Behandlerin die Pflanze gerne bei Arteriosklerose und Diabetes (metabolisches Syndrom), bei kardiovaskulären Erkrankungen und zwecks Verbesserung des Zellstoffwechsels (Mitochondrienbildung). Vorsicht ist bei Reizdarm und Gallensteinen geboten (Kolikgefahr nach größeren Mengen). Zum Schluss bespricht die Dozentin mögliche Darreichungsformen (Tees, Frischpresssäfte sowie Fertigpräparate) und stellt eine beispielhafte Teemischung für eine Verdauungsproblematik in Verbindung mit Hypercholesterinämie vor, in der - neben weiteren Heilpflanzen - auch Enzian und Artischocke enthalten sind. Am Ende bringen Teilnehmer*innen noch verschiedene eigene Erfahrungen und Fragen (Darmsanierung, Essstörungen) mit ein.
Dieser therapeutisch vielfältige und runde Abend macht uns das Bittere schmackhafter!
Mit dem Monographie-Handout als (PDF)
Über die Reihe "Heilpflanzenporträts"
In den Vorträgen ihrer Fachfortbildungsreihe widmet sich die bekannte Berliner Phytotherapeutin und -lehrerin Cornelia Titzmann jeweils einzelnen Heilpflanzen, die sie als umfassende Darstellungen (Monographien) ihrer pharmakologischen Wirkung und heilkundlichen Anwendung, ihrer botanischen Einordnung und speziellen pflanzlichen Merkmale, ihrer Signatur, Geschichte und Mythologie sowie ihrer essenziellen Kernthemen porträtiert.
Dabei kommen sämtliche Aspekte zur Sprache, die eine Pflanze zur einzigartigen Arznei machen, auch im differenziellen Vergleich und in der Kombination mit anderen Pflanzendrogen. Cornelia Titzmann möchte mit ihrer Reihe nicht nur bekannte, sondern auch weniger bekannte Arzneipflanzen vorstellen, die sich in ihrer Praxis schon oft als spezielle Helfer bewährt haben. Diese Pflanzen verdienen mehr Aufmerksamkeit und sollen daher ein bekannteres Gesicht und größeres Gewicht erhalten!
Über die gängigen Nutzungen hinaus können Phytotherapeutinnen und Pflanzenliebhaber so das gesamte Anwendungsspektrum einer Heilpflanze kennenlernen. Homöopath*innen bieten die Vorträge zudem eine Möglichkeit, Arzneipflanzen in ihrer Wirkweise noch besser und tiefer zu verstehen, auch in der Gegenüberstellung von phytotherapeutischer und homöopathischer Wirkung.
1. Die Bedeutung von Bitterstoffen / Bitterstoffe in Kapseln? / Bitterwertmessung über Verkostung und Vergleich / Wirkung von Bitterstoffen (Magen- und Verdauungsdrüsen, weitere Wirkungen) (00:00)
2. Bitterpflanzen und Alkohol / Einordnung des Bittergehalts und Bespiele / Aperitiv und Digestiv / Unterscheidung von Bitterwerten in der Phytotherapie / Mite und forte / Anamnestische Erkundung der Verdauung (11:56)
3. Der gelbe Enzian (Gentiana lutea) / Familie / Vorkommen / Botanik (20:15)
4. Inhaltsstoffe: Bitterstoff Gentiopikrin u. a., Mineralien, Spurenelemente / Anwendung / Magen: Appetitlosigkeit, Gärungsdyspepsie, Flatulenz / Roburans / Rheumatische Diathese / Entfieberung / Gicht - und Nervenleiden. / Menstruationsbeschwerden
(30:29)
5. Dosierung / Darreichung / Reisebeschwerden / Gentiana in der Homöopathie / Reisebeschwerden und Reiseanpassungsstörungen / Planetenaspekt (46:53)
6. Wozu Verwendung einer zweiten Bitterpflanze? / Artischocke (Cynara scolymus) / Familie Korbblütler / Droge Foliae Cynarae / Botanik / Geographisches Vorkommen / Ursprung des Namens (55:36)
7. Name und symbolische Bedeutung: Geschichte der Nymphe Cynara / Mafiöse Artischockenkriege / Inhaltsstoffe (63:47)
8. Anwendung / Pflanzliche Cholesterinsenkung, Erfahrungen / Heilwirkung: Appetit - Verdauung, Gallenproduktion / Pflanzliche Cholesterinsenkung / Eigene Praxis-Erfahrungen / Fallbeispiel einer Patientin mit Herzinfarkt bei hohem Cholesterinspiegel /
Arteriosklerose / Verbesserung des Zucker- und Fettstoffwechsel / Diabetes, metabolisches Syndrom, kardiovaskuläre Erkrankungen / Leberprotektion / Zellstoffwechsel: Mitochondrienbildung / Stoffwechseleffizienz / Cave-Angaben bei großen Mengen (69:15)
9. Darreichung / Teebeispiel zur Verbesserung der Verdauung und des Cholesterinspiegels (81:01)
10. Teilnehmerfragen und Beiträge / Frage zur Messung des Bitterwerts / Erfahrung mit Enzian bei Würmern bei Kindern (06:44)
11. Darmsanierung/Darmkur / Enzian bei Essstörungen? (00:00)
Cornelia Titzmann

Seit 1987 Tätigkeit als Heilpraktikerin in eigener Praxis mit den therapeutischen Schwerpunkten Pflanzenheilkunde, Homöopathie und klassischen Naturheilweisen, Lehrtätigkeit an verschiedenen Heilpraktikerschulen und Volkshochschulen, 1994 Mitbegründerin und seither Schulleiterin des IfP (Institut für Phytotherapie) in Berlin, Mutter von drei Kindern.
Nähere Informationen über unsere Autorin Cornelia Titzmann (Webseite): https://www.corneliatitzmann.de
1 MP3-Datei plus Handout-PDF im ZIP-Paket
Schmuck-/CoverbildGelber Enzian © Ghislain118, http://www.fleurs-des-montagnes.net, Lizenz CC BY-SA 3.0., via Wikicommons) / Artischocke © Bobby Herron (Quelle: Pixabay.com) (via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY 2.0) Wir danken dem/der FotografIn herzlich für die Erlaubnis zur Nutzung dieses Bildes!
We thank the photographer very much for the permission to use this picture!
Hersteller
Verlag Homöopathie + Symbol, Martin Bomhardt, Liebigstr. 36, 10247 Berlin, E-Mail: info@homsym.de
Produktabbildung
Digitales Produkt - keine Abbildung verfügbar. Die Abbildung oben links dient der symbolischen Dekoration dieser Seite
Produktform
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Vortragsreihe "Heilpflanzenporträts" an der Samuel-Hahnemann-Schule Berlin, 8. Mai 2024
Infos über künftige Porträtabende:
Termine zur fortlaufende Reihe hier und auf der Webseite von Cornelia Titzmann

