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Die Wahl einer passenden homöopathischen Arznei scheitert oft nicht am Mangel an Symptomen, sondern an deren Gewichtung. Welche Symptome sind tatsächlich wichtig bzw. charakteristisch? Welche haben den höchsten differenzialdiagnostischen Wert? Und wie lässt sich die Arzneifindung möglichst präzise und reproduzierbar gestalten, um zu einer korrekten Arzneiwahl zu führen?
Dr. Christian Lucae stellt in diesem methodisch orientierten Vortrag die Polaritätsanalyse nach Dr. Heiner Frei vor, eine auf Bönninghausens "Therapeutischem Taschenbuch" basierende Fallanalysemethode. Im Mittelpunkt stehen sogenannte polare Symptome (Gegensatzpaare wie Durst und Durstlosigkeit oder Wärme- und Kälteempfindlichkeit), die eine besondere Bedeutung für die Arzneidifferenzierung haben
Anhand mehrerer ADHS-Kasuistiken aus der Kinder- und Jugendmedizin (mit Arzneiverordnungen von Lycopodium, Nux vomica oder Sulfur) demonstriert Lucae die praktische Anwendung der Polaritätsanalyse (z. B. mittels strukturierter Checklisten) und zeigt, wie sich charakteristische Symptomkonstellationen systematisch erfassen und auswerten lassen.
Der Vortrag vermittelt ein klares Bild davon, wie sich Bönninghausens repertoriales Denken mithilfe der Polaritätsanalyse in eine zeitgemäß effektive und klar strukturierte Fallanalyse übertragen lässt. Die Verbindung von präziser Symptombewertung, reproduzierbarer Methodik und konkreten Beispielen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie vermittelt einen überzeugenden Eindruck von den praktischen Möglichkeiten dieser besonderen Methodik.
Themen im Überblick
- Einführung in die Polaritätsanalyse nach Heiner Frei
- Bönninghausens "Therapeutisches Taschenbuch" als methodische Grundlage
- Polare Symptome (Gegensatzpaare)
- Polaritätsdifferenz und Kontraindikationen
- Der "Genius" eines Arzneimittels
- Präzise und reproduzierbare Arzneimittelbestimmung
- Strukturierte Checklisten und Symptomerfassung
- Bedeutung aktueller und beobachtbarer Symptome
- ADHS und Wahrnehmungsstörungen als Beispielthema
- Modalitäten wie Licht, Bewegung, Berührung und geistige Anstrengung
- Praktische Fallanalyse in der Kinder- und Jugendmedizin
- Möglichkeiten und Grenzen der Polaritätsanalyse
- AHDS-Kasuistiken mit Lycopodium, Nux vomica und Sulfur
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- Artikel-Nr.: SK-252
- Abspieldauer (ca.): 1 Std. 38 Min.
- Edition: SK (SiMILE-Kongress von VKHD & SHZ)
- Schlüsselworte: ADHS ADS/ADHS Begleitsymptom Bönninghausen Causa Fallanalyse Gewichtung Hauptsymptom Kontraindikation Lycopodium Nebensymptom Nux vomica Pathognomonische Symptome Physiognomie Polaritätsanalyse Polaritätsdifferenz Polarity Analysis Sulphur vollständiges Symptom
Homöopathische Arzneifindung steht immer wieder vor der besonderen Herausforderung, aus einer oft großen Zahl von Symptomen diejenigen herauszuarbeiten und zu gewichten, die für den Fall tatsächlich charakteristisch und relevant sind. Welche Symptomkombination erbringt den höchsten differenzialdiagnostischen Wert? Und wie lässt sich die Arzneibestimmung zugleich präzise, reproduzierbar und im klinischen Alltag praktikabel gestalten?
Im methodischen Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Christian Lucae steht die sogenannte Polaritätsanalyse nach Dr. Heiner Frei - eine moderne, auf Bönninghausens "Therapeutischem Taschenbuch" basierende homöopathische Fallanalysemethode. Lucae, langjähriger homöopathischer Kinder- und Jugendarzt, erläutert die Grundprinzipien dieser Methodik anhand konkreter Fallbeispiele und zeigt, wie sich ihre Prinzipien insbesondere bei komplexen Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen wie ADHS anwenden lassen.
Ausgangspunkt der Polaritätsanalyse war Freis Beobachtung, dass Symptomen in der Arzneidifferenzierung dann ein besonders hoher Wert zukommt, wenn sie innerhalb einer Arznei als Gegensatzpaare auftreten - als sogenannte "polare Symptome": Durst vs. Durstlosigkeit (wie bei Pulsatilla), Wärme- vs. Kälteempfindlichkeit, Besserung vs. Verschlechterung durch Bewegung, Berührung oder frische Luft. Im konkreten Patientenfall stellt sich dann die Frage, welche Symptome einer möglichen Arznei polar sind oder sogar ihrem "Genius" widersprechen, also eher kontraindiziert sind.
Schrittweise erläutert Lucae die zentralen Elemente der Polaritätsanalyse: die konkrete Arbeit mit polaren Symptomen, die Berechnung der sogenannten Polaritätsdifferenz, die Bedeutung von Kontraindikationen sowie die Verwendung strukturierter Checklisten zur möglichst präzisen Symptomerfassung. Dabei wird deutlich, dass die Methode besonders dort ihre Stärken entfaltet, wo eine gut beobachtbare Symptomatik mit klaren Modalitäten und anderen verlässlichen Zeichen vorliegt.
Am Beispiel mehrerer Kinder mit ADHS-Diagnose demonstriert Lucae die Nutzung der Checklisten zur Ermittlung charakteristischer Symptomkonstellationen. Welche Bedeutung haben Lichtempfindlichkeit, Reizüberflutung, Bewegungsdrang, Berührungsempfindlichkeit oder Verschlechterungen durch geistige Anstrengung? Wie lassen sich aus solchen Beobachtungen differenzierende Arzneihinweise gewinnen? Gerade die oft wechselhafte und widersprüchliche Symptomatik vieler ADHS-Kinder macht die Polaritätsanalyse hier besonders interessant.
Daneben spricht Lucae auch allgemeine methodische Fragen an. Welche Vorteile bietet die Polaritätsanalyse gegenüber komplexeren tiefenpsychologischen oder rein miasmatischen Ansätzen? Lucae ordnet die Methode dabei bewusst als klinisch-pragmatischen Ansatz ein, der besonders bei gut beobachtbarer Symptomatik trägt.
Der Vortrag vermittelt ein klares Bild davon, wie sich Bönninghausens repertoriales Denken mithilfe der Polaritätsanalyse in eine zeitgemäß effektive und klar strukturierte Fallanalyse übertragen lässt. Die Verbindung von präziser Symptombewertung, reproduzierbarer Methodik und konkreten Beispielen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie vermittelt einen überzeugenden Eindruck von den praktischen Möglichkeiten dieser besonderen Methodik.
1. Anmoderation Stefan Reis (00:00)
2. Selbstvorstellung und Einführung in das Thema (03:33)
3. Bönninghausens Taschenbuch (1846) / Gewichtung der Symptome: Kent und Bönninghausen im Vergleich / Das vollständige Symptom nach Bönninghausen (08:23)
4. Gewichtung der Symptome nach Bönninghausen / Causa occasionalis / Hauptsymptom / Begleitsymptome (concomitans) / Nebensymptome / Pathognomonische Symptome (14:05)
5. Bedeutung der Anamnese / Anamnese bei akuten Krankheiten / Besonderheit bei der Polaritätsanalyse (16:57)
6. Bönninghausen und die Physiognomie (22:26)
7. Die Entwicklung der Polaritätsanalyse - Was ist das Spezielle daran? / Symptome und ihr Gegenteil / Genius der Arznei / Kontraindikationen / Polaritätsdifferenz / Ausschlussmethode (25:44)
8. Das Programm Polarity Analysis / Unterschiedliche Symptomzuverlässigkeiten (34:03)
9. Checklisten (40:09)
10. Arzneimittel im TTB / Große und kleine Mittel? (53:11)
11. Die Bedeutung der Grade (55:56)
12. ADHS: Hauptmerkmale / Basismaßnahmen (62:17)
13. Fall 1 (Junge, 9): ADS / Lycopodium / Weiterer Verlauf (72:06)
14. Fall 2 (Junge, 8): ADHS / Nux vomica / Reaktion und weiterer Verlauf / Wechsel auf Sulphur (85:03)
Dr. Christian Lucae

- Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
- Praxis mit den Schwerpunkten Homöopathie und Naturheilverfahren
- Autor zahlreicher Fachpublikationen und Patientenratgeber
- Herausgeber der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung (AHZ)
- Blog „Informationen zur Homöopathie“ (mit PD Dr. Michael Teut)
- Mitglied der Kommission D am BfArM
- Beratender Arzt von NATUR UND MEDIZIN e.V.
- Praxisgemeinschaft mit Helga Magdalena Knöbl, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Werdegang
- Medizinstudium an den Universitäten Wien und Heidelberg
- Dissertation: „Die Bestrebungen zur Institutionalisierung der Homöopathie an deutschsprachigen Universitäten von 1812 bis 1833“
- Beschäftigung mit Homöopathie seit dem Studium, studentische Arbeitskreise, Wilseder Forum, wesentliche Einflüsse durch M. Dorcsi, D. Spinedi, R. Sankaran, A. Geukens, W. Gawlik, P.S. Ortega, H. Frei u.a.
- Projekt „Homöopathie in der Pädiatrie“ der Karl und Veronica Carstens-Stiftung
- Kinderklinik an der Lachnerstraße, München
- Fachklinik für Ganzheitsmedizin Hof Bellevue, Fehmarn
- Kinderklinik Dritter Orden, München
- Dr. von Haunersches Kinderspital, Ludwig-Maximilians-Universität München
- 12 Jahre eigene Praxis im Ärztehaus Baldham (bis 2018)
- Herausgeber der Zeitschrift für Klassische Homöopathie (ZKH)
Nähere Informationen über unseren Autor Dr. Christian Lucae (Webseite): https://www.lucae.net
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Schmuck-/CoverbildDie Wolfsburg in Mülheim/Ruhr © Steffen Schmitz (Carschten) / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 (DE), Free Art License (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:M%C3%BClheim_an_der_Ruhr,_Wolfsburg,_2011-04_CN-02.jpg, Lizenz: CC BY SA 3.0de) Wir danken dem/der FotografIn herzlich für die Erlaubnis zur Nutzung dieses Bildes!
We thank the photographer very much for the permission to use this picture!
Hersteller
Verlag Homöopathie + Symbol, Martin Bomhardt, Liebigstr. 36, 10247 Berlin, E-Mail: info@homsym.de
Produktabbildung
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SiMILE-Kongress für Praxis und Wissenschaft in der Homöopathie, Mülheim/Ruhr, "Die Wolfsburg", 28./29. Juni 2025
Veranstalter des Kongresses
Verband Klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. (VKHD) und
Stiftung Homöopathiezertifikat (SHZ)
Informationen zum 3. SiMILE-Kongress 2027 hier!
Dieser Fachvortrag wurde beim 2. SiMILE-Kongress 2025 in Mülheim/Ruhr gehalten. Das Gesamtpaket der Kongressbeiträge besteht aus den 14 Fachvorträgen (als MP3-Audio) und allen visuellen Materialien, die von den Referent*innen verwendet wurden und Ihnen hier ebenfalls zur Verfügung gestellt werden (Powerpoint-Präsentationen, Skripte, Handouts etc., in nachbearbeiter PDF-Form). Alle 14 veröffentlichten Vorträge des Kongresses sind bei uns auch zu einem stark ermäßigten Preis als Gesamtpaket erhältlich:
SK-2
Nähere Informationen zu den einzelnen Fachvorträgen:
- SK-211:  Tipps und Tricks zur Diagnostik und homöopathischen Therapie. Langjährige Erfahrungen eines homöopathischen HNO-Arztes (Dr. Joachim Mayer-Brix)
- SK-212:  Die Sehgal-Methode - den Geist- und Gemütszustand des Patienten verstehen. (Ralf Dissemond)
- SK-213:  Die Lebenskraft und die moderne Wissenschaft (Renate Künne)
- SK-214:  Homöopathie in einer anthroposophischen Rehaklinik (Dr. Annika Breininger)
- SK-215:  Cyrus Maxwell Boger und die Balance von Semiotik und Diagnostik (Dr. Norbert Winter)
- SK-216:  Die Verborgenheit der Gesundheit (Bernhard Möller)
- SK-217:  Phänomenologie homöopathischer Arzneimittel bei Depressionen (Hildegard Klingberg)
- SK-251:  Akute schwere Krankheitssituationen. Effektiver Überblick und sichere Arzneiwahl mittels Boger-Analyse (Dr. Christoph Tils)
- SK-252:  Polaritätsanalyse und ADHS im Kindesalter (Christian Lucae)
- SK-253:  Wie gelingt eine selbstbewusste Kommunikation zur Homöopathie? (Karen Lutze)
- SK-254:  Selbstvertrauen in der Praxis. (Helmut Schnellrieder)
- SK-255:  G. H. G. Jahrs Repertorium der Hautsymptome - ein wertvolles Werkzeug in der homöopathischen Praxis (Stefan Reis)
- SK-256:  Predictive Homöopathie bei Autoimmunerkrankungen (Matthias Klünder, Matthias Strelow)
- SK-257:  Patientenführung, Individualität und eine Ethik der Freiheit (Carl Classen)
