Was den Nachweis der Wissenschaftlichkeit angeht, steht die Homöopathie seit Anbeginn, insbesondere aber seit dem 19. Jahrhundert, unter einem enormen Legitimationsdruck, nicht zuletzt aufgrund starker Lobbyinteressen. Die Kritik bezieht sich vor allem auf den bislang fehlenden Nachweis der Wirksamkeit homöopathischer Arzneien unter standardisierten Bedingungen (mit einer Überprüfbarkeit und Reproduzierbarkeit von Ergebnissen).
Prof. Dr. phil. Martin Dinges, Historiker und Wissenschaftler am Institut für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung, macht in seinem kurzweiligen Vortrag deutlich, wie sich die Wege der Homöopathie und der klinischen Medizin, die seit dem 19. Jahrhundert vom positivistischen Wissenschaftsbegriff dominiert ist, trennten und bis heute in scheinbar unversöhnlicher Gegnerschaft miteinander konkurrieren. Dabei zeigt er auch die Schwierigkeiten und Hindernisse auf, die der Entfaltung der Homöopathie schon seit Anbeginn durch Obrigkeiten und starke Interessenverbände in Wirtschaft und Politik in den Weg gelegt wurden.
Da es inzwischen jedoch viele überzeugende Studien gibt, mit denen die Wirksamkeit der Homöopathie zumindest argumentativ belegt werden kann, plädiert er für vergleichende Versorgungsstudien anstelle der fragwürdig alleinigen "wissenschaftlichen" Beweisführung mittels randomisierter Doppelblindstudien.
Prof. Martin Dinges stellt den heutigen Wissenschaftsbegriff kritisch in Frage, nicht nur für den Nachweis homöopathischer Wirksamkeit.
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